Sind Linkshänder kreativer?
Ein weitverbreiteter und hartnäckiger Mythos: Linkshänder mit einer dominanten rechten Gehirnhälfte sind kreativer. Einen Beweis gefällig? Denken Sie nur an all die linkshändigen Berühmtheiten wie Beethoven, Leonardo da Vinci, Charlie Chaplin und Paul McCartney. Aber Sie und Ihr Kind haben das Pech, rechtshändig zu sein? Kein Problem! Kreativität ist nicht den Rechtshirnigen vorbehalten. Lesen Sie weiter und erfahren Sie mehr über die Entwicklung Ihrer kreativen Seite – mit Erklärungen und Tipps!
Von Marie-Josée Roy

Lange Zeit hielt sich die Vorstellung, dass das Gehirn eine Hemisphäre gegenüber der anderen bevorzugt und ein Mensch je nach seiner Veranlagung eher links- oder rechtshirnig ist. Für eine optimale Leistung arbeiten beide Strukturen jedoch tatsächlich eng zusammen. Das menschliche Gehirn ist ein komplexes Organ, und Forschende bemühen sich noch immer, es besser zu verstehen. Auch wenn seine beiden Hemisphären jeweils bestimmte Aufgaben haben, arbeiten sie nicht unabhängig voneinander. Ob erwachsen oder Kind – beide Seiten Ihres Gehirns teilen und verarbeiten dieselben Informationen; nur die Art, wie sie diese verarbeiten, ist unterschiedlich.
Die Rolle der Hemisphären
In den 60er-Jahren beleuchtete der amerikanische Neuropsychologe Roger W. Sperry die Funktionsweise des Gehirns und ordnete der rechten Hemisphäre Vorstellungskraft, Intuition, Interesse an Kunst, Visualisierung und Tagträume zu. Demnach waren kreative Menschen diejenigen mit einer aktiveren rechten Gehirnhälfte. Da die rechte Hemisphäre des Gehirns die motorischen Funktionen der linken Körperseite steuert, glaubte man lange und fälschlicherweise, dass linkshändige Kinder zwangsläufig von Natur aus künstlerischer sein müssten.
Teamarbeit
Die Ergebnisse einer 2013 veröffentlichten Studie zeigten jedoch, dass das Gehirn beide Hemisphären gleichermaßen nutzt. Sie funktionieren sehr unterschiedlich, ergänzen sich aber hervorragend. So mag Sprache zwar die Domäne der linken Hemisphäre sein, doch die rechte Hemisphäre erleichtert es, den Kontext zu erfassen, in dem die Worte geäußert werden. Forschende zeigten außerdem, dass sich menschliche Persönlichkeitsmerkmale und Interessen nicht nur einer Gehirnhälfte zuschreiben lassen. Wenn ein Kind kreativ ist, werden beide Seiten seines Gehirns angeregt und arbeiten eng zusammen, damit es seine Aufgabe erfolgreich bewältigen kann.
Ein gesundes, kreatives Gehirn!
Laut einer aktuellen amerikanischen Studie der Duke University verfügen kreative Menschen über Gehirne mit der besten Kommunikation zwischen den beiden Seiten. Hier sind einige Ideen, wie Sie die Kreativität Ihres Kindes fördern können:
- Motivieren Sie es, ein Hobby aufzunehmen, das es interessiert, etwa Malen, Paläontologie oder das Erlernen einer neuen Sprache.
- Ermutigen Sie Ihr Kind, seine Komfortzone zu verlassen und eine neue Aktivität auszuprobieren.
- Schenken Sie ihnen ein Tagebuch, in dem sie all die kreativen Ideen und Gedanken festhalten oder zeichnen können, die ihnen in den Sinn kommen.
- Fördern Sie ihre Kreativität, indem Sie ihnen verschiedene Kunstformen näherbringen. Besuchen Sie ein Museum, gehen Sie zu einem Konzert oder probieren Sie ein Kindertheaterprogramm aus – die Möglichkeiten sind endlos!